Das vom Verstand bestimmte Ich ist kein Märchen
Neurowissenschaftler und Psychologen betonen in neueren Veröffentlichungen die Übermacht des Unterbewusstseins.
Die These eines vom Verstand bestimmten Ichs ist aber kein Märchen! Wir vertrauen auf die Macht des logischen Denkens und die Überzeugungskraft guter Argumente. Ist unsere Demokratie bedroht? Ist unser Land ist in Gefahr`? Mit solchen Fragen sprechen wir den Bereich des Emotionalen an. Das bestreiten wir nicht. Wer Menschen für die Menschenrechte aktivieren und mobilisieren möchte, darf diesen Bereich nicht meiden. Im Ergebnis müssen die Analysen jedoch von Logik, Verstand und sachlichen Argumenten bestimmt werden.
Interessant ist, was Neurowissenschaftler Eagleman („Inkognito: Die geheimen Eigenleben unseres Gehirns“) und Psychologe Kahneman in ihren Büchern dazu zu sagen haben. Nobelpreisträger Kahneman („Schnelles Denken, langsames Denken“) erklärt in seinem neueren Buch die Hintergründe: „Emotionales Denken“ („System 1“) kommt aus dem ständig aktiven Unterbewusstsein, ist unüberlegt, schnell, automatisch und stereotypisierend. Demgegenüber ist das logische Denken langsamer, anstrengend, bewusst und weniger aktiv. Ich will dieses System 1 nicht als das „gefühlsduselig“ und tendenziell dumm umschreiben. Aber das System 1 ist ein wichtiges Betätigungsfeld der Politik: Es ist der Herrschaftsbereich von „Gefühlsexplosionen“, manipulativen Scheinargumenten und von Rationalisierungen. Solche Rationalisierungen sollen emotional aus dem Unterbewusstsein resultierendes Verhalten rechtfertigen und es mit dem Ansehen der Vernunft aufwerten.
Umso wichtiger ist es, mit sachlichen Argumenten für die Stärkung der Menschenrechte zu werben.